Bullerbü-Syndrom

Den ersten Fuß auf schwedischen Boden setzte ich vor etwa zwei Jahren. Allerdings muss ich gestehen, dass es nicht meine langgehegte Schweden-Liebe war, die mich damals hierher führte.

Meine neue Wahl-Heimat sollte eigentlich Spanien heißen. Jedoch entschied die Universität in Straßburg kurzerhand, dass ich besser nach Schweden passen würde. „Zumindest der Anfangsbuchstabe stimmt“, waren die tröstenden Worte meiner Freundin, als ich den Bescheid in Händen hielt. Von „Bullerbü-Syndrom“ war zu dem Zeitpunkt noch nicht viel zu spüren. So ging es in der Dunkelheit eines Januarmorgens in die verschneite Studentenmetropole mit Namen Uppsala.

In den sicheren Armen des Austauschstudenten-Lebens wurde ich dort Schritt für Schritt an die schwedische Realität herangeführt; Anfänger-Sprachkurs, beschränkter Kontakt zur Urbevölkerung und kaltes Studentenzimmer inklusive. Schnupftabak (Snus) und andere kulturelle Eigenheiten (Messer, die sich ausschließlich der Butter widmen) wurden mit einem leichten Lächeln und einem Hauch von Verwirrung in der Gruppe der internationalen Studenten diskutiert. Obwohl ich mich bereits nach Anblick der ersten schneebedeckten Holzhütte zu wundern begann, wie ich jemals die Wirklichkeit des Bullerbü-Zaubers anzuzweifeln gewagt hatte, sollte sich mir die vollkommene Schokoladenseite Schwedens erst im Laufe des nächsten Semesters offenbaren. Ein Praktikum in der „Hauptstadt Skandinaviens“, wie Stockholm bescheiden von seinen Bewohnern genannt wird, führte also dazu, dass aus der arrangierten Ehe letztendlich eine richtige Liebesgeschichte wurde.

In Stockholm wohne ich noch heute. In den letzten Monaten sammelte ich in meiner Freizeit Cafés, Parks und Veranstaltungen mit dem gewissen Etwas wie einen Schatz. Einen Schatz, den ich hier nun gerne teilen möchte.

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